"Hatz auf die Katz" - Anfang und heute
 von Ulrich Pachaly

Der Motorsport hat in Saalfeld eine lange Tradition. Schon 1924 begannen Enthusiasten die erste Bergprüfungsfahrt Saalfeld-Arnsgereuth (Hoheneiche), als DMV Lauf gewertet, auszurichten.

Bertold Ziener, Knut Schieferdecker, Wolfgang Kolb und ich gründeten 1988 innerhalb des MC Saalfeld im ADMV der DDR die Oldtimer-Sektion und nannten uns "Veteranen-Motorrad-Freunde". Wollte man in der DDR an Oldtimer-Veranstaltungen teilnehmen, mußte man im ADMV organisiert sein. Als Sektionschef wurde ich gewählt. Mit der politischen Wende brachen auf Bezirksebene alle Veranstaltungen ab.

Da ich in DDR-Zeiten schon zwei illegale Oldtimer-Rallyes organisiert hatte, wollte ich jetzt mit Unterstützung der Veteranen-Motorradfreunde eine auf Saalfelder Tradition bezogene Veranstaltung ins Leben rufen. Was lag näher, als an die 1920er Jahre Bergrennen Saalfeld-Arnsgereuth anzuknüpfen. Illusorisch war, diese Streckenführung (B281) für uns den ganzen Tag gesperrt zu bekommen. Die Alternative fand ich in den Serpentinen zum Kulm-Berg, und zwar bis zur Höhenkreuzung "Katze". An dieser Stelle soll vor rund 200 Jahren die letzte Wildkatze erlegt worden sein. An einem weinseligen Abend im Frühjahr 1990 mit meinen Freunden Dr. Gisela und Knut Schieferdecker ließen wir die Gedanken um den Namen der zukünftigen Oldtimer-Berggleichmäßigkeit-Prüfung kreisen, die Katze (gleich Katz) war da, und wenn man schnell fährt, hetzt man (gleich Hatz), daraus ergibt sich die "Hatz auf die Katz". Die Baujahresbegrenzung haben wir auf 1965 festgelegt, was auch heute noch gilt.

Drei Tage nach der Vereinigung von Ost- und Westdeutschland legten wir, die Veteranen-Motorrad-Freunde, ohne Unterstützung des MC Saalfeld los und haben mit rund 30 Motorradfahrern und einer Handvoll Automobilisten und Dank tschechischer Beteiligung das 1. Internationale Saalfelder Bergrennen "Hatz auf die Katz" veranstaltet. Die größtenteils Vorkriegsfahrzeuge hinterließen am Berg bei Teilnehmern und Zuschauern einen sehr positiven Eindruck. Auch seitens der Stadt und der uns unterstützenden Zeitung "Ostthüringer Nachrichten" (heute OTZ) gab es eine sehr gute Resonanz, die uns zum Weitermachen ermutigte.

Die Gründung zum eingetragenen Verein (e.V.), Saalfelder Motor-Veteranenfreunde, vollzogen wir im Frühjahr 1991 und waren damit der erste Oldtimer-Club im Landkreis Saalfeld-Rudolstadt. Leider brachte die neue Zeit auch viele gesetzliche Hürden mit sich. Wir traten den Motorsport-Dachverbänden DMV und OMK bei, die uns mit erheblichen technisch-organisatorischen Aufwendungen für die Durchführung unserer 2. und 3. Hatz beauflagten.

Die 2. Hatz wurde durch die Teilnahme österreichischer, schweizerischer, tschechischer und aus ganz Deutschland angereister Fahrer stark bereichert. Das Starterfeld vergrößerte sich schon auf rund 60 Teilnehmer. Entsprechend wuchs auch das Zuschauerfeld entlang der ca. 2 km langen Strecke mit ihren fast 20 Kurven. Durch die wohlwollende Unterstützung des Renault-Autohauses Bohr im Startbereich bekamen wir optimale technische und werkstattmäßige Hilfe, die einen sehr guten Ablauf der Veranstaltung gewährleistete. Nach der 3. Hatz, die sogar als Fränkisch-Thüringische Bergmeisterschaft avancierte, mussten wir uns allerdings den Auflagen der OMK geschlagen geben und über eine Neuorientierung nachdenken.

So war die 4. Hatz als Alternative zum Bergrennen zur Oldtimer-Rallye geworden, die auch über die Katze führte. Die stetig steigende Teilnehmerzahl der in- und ausländischen Freunde gab uns recht, dass das Konzept der touristischen Fahrt mit Geschicklichkeits- und Wissensprüfungen richtig war. Aber auch der Begrüßungsabend am Freitag mit "Benzingesprächen" im Gasthaus "Zum Pappenheimer" gehört zum Flair der Gesamtveranstaltung wie die Oldie-Fete nach der Siegerehrung und der Sonntagfrühschoppen bei mir am Oldie-Museum. Die meist zum traditionellen Thüringer Mittagessen gewählte historisch, touristisch interessante Örtlichkeit (Museum, Mühle, Steinschleuder, u.ä.) gefiel unseren Weitgereisten stets sehr gut.

Nachdem uns das BMW-Autohaus Ratzenberger drei Jahre das Start- und Zielgelände bereitstellte, zogen wir zur 8. Hatz auf die gute Stube der Stadt, den Marktplatz, um. Auch für die inzwischen auf rund 100 Fahrzeuge, fast zur Hälfte Vor- und Nachkriegsbaujahre, angewachsene Anzahl war die Größe dieses Standortes ideal. Die zentrale Lage mit ihrer schönen historischen Kulisse war eine echte Aufwertung.

Im Frühjahr 2000 trat an uns der neu gegründete Oldtimer Replica Club (ORC) mit einer Zusammenarbeitsabsicht heran. Mit den ORC-Vorständen Herrn Andersen und Herrn Saalfeld klärten wir im Juni zu unserer offiziellen Clubversammlung (21 unserer Mitglieder anwesend) eine punktuelle Zusammenarbeit mit dem ORC, der Feengrotten- und Tourismus GmbH und dem Oldtimer-Nutzfahrzeug-Club ab. Bündelung der organisatorischen und finanziellen Kräfte war unser Ziel. Die Feengrotten Classics waren geboren, eine Veranstaltung, die neben Oldtimern auch Replicas, Youngtimer sowie Exoten und Sonderfahrzeugen Raum geben sollte.

Die Oldtimerwertung "Hatz auf die Katz" hatte darin den zentralen Stellenwert, den die Saalfelder Motor-Veteranenfreunde auch in Form von Betreuung der Sonderprüfungen und Auswertungen der Rallye unterstrichen. Leider ergab sich aus der Zusammenarbeit zwischen ORC und unserem Club in den Jahren 2000 und 2001 nicht die unseren Vorstellungen entsprechende Harmonie und Qualität der Veranstaltung. Die logische Konsequenz war eine Zusammenkunft beider Clubvorstände, wo wir die Kündigung der Zusammenarbeit bekannt gaben und wir unsere Hatz wieder als alleinige Clubveranstaltung für 2002 ausrichten wollten.

Seit 2002 läuft unsere "Original Hatz" mit verstärktem Engagement seiner 32 Clubmitglieder. Das Starterfeld hat sich inzwischen auf rund 130 Fahrzeugen aus dem gesamten Bundesgebiet, Tschechien, Österreich und Belgien ausgeweitet. Es werden Oldie-Raritäten an den Start gebracht wie Peugeot 3,8l Bj. 1905, Ford T-Woody Bj. 1915, Jaguar XK 140 Bj. 1955. Aber auch Motorrad-Oldies wie Böhmerland St. Gotthard-Gespann Bj. 1925, BSA F28 Bj. 1928 oder BMW R16 Bj. 1933 sind dabei.

Als Resümee kann man sagen, dass trotz steigender Teilnehmerzahlen und exponierter Fahrzeuge unsere familiäre und kameradschaftliche Atmosphäre sich erhalten hat. Es wurde nie zu einem abgehobenen, kommerziell ausgerichteten Concours d' Élégance-Verschnitt. Die Teamarbeit unserer Clubmitglieder und der uns wohlgesonnenen Institutionen haben dieses Flair geschaffen, das in Thüringen seinesgleichen sucht.

So wünsche ich Ihnen allseits gute Fahrt!